So viel Porto verdient die Post mit der Briefwahl

Wahlbenachrichtigung Briefumschlag
Bei der Bundestagswahl 2021 wird mit so vielen Briefwählern wie nie zuvor gerechnet: 38 Prozent sind es laut einer Yougov-Umfrage im Auftrag der DPA (Quelle). Update nach der Wahl: Tatsächlich nutzten ca. 40 Prozent die Briefwahl, Quelle.

Was verdient die Deutsche Post eigentlich mit den Briefen rund um die Wahl? Das lässt sich anhand dreier Zahlen abschätzen: Die Anzahl der Wahlbenachrichtigungen, der Briefwähler und der zurückgeschickten Stimmzettel.


Wahlbenachrichtigungen: 21,1 Mio. Euro

Laut bundeswahlleiter.de gibt es 60,4 Millionen Wahlberechtigte. Jede Person bekommt eine Wahlbenachrichtigung per Postkarte oder Standardbrief.

Aufgrund sogenannter Teilleistungsrabatte müssen Städte und Kommunen nicht 60 bzw. 80 Cent Porto bezahlen, sondern erheblich weniger. Werden die Sendungen nach PLZ vorsortiert, mit Datamatrix-Code frankiert und eine bestimmte Sendungsmenge erreicht, beträgt der maximale Rabatt 49 Prozent (Quelle: Bundesnetzagentur, PDF).

Das Porto reduziert sich also von 80 auf 41 Cent bzw. von 60 auf 31 Cent. Multipliziert man 60,4 Mio. Wahlbenachrichtigungen mit 35 Cent (Schätzwert), ergeben sich Portoeinnahmen in Höhe von 21,1 Mio. Euro.


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Zusendung Briefwahl-Unterlagen: 27,6 Mio. Euro

38% Briefwähler von 60,4 Mio. Wahlberechtigten entsprechen knapp 23 Mio. Menschen. Sie erhalten die Briefwahlunterlagen als Kompakt- oder Großbrief zugeschickt, also für 0,95 bzw. 1,55 Euro Porto. Siehe dazu auch: "So faltet sich Haan die Briefwahl teuer" auf rp-online.de.

Diese Briefe haben oberhalb der Empfängeranschrift keine fortlaufende Nummer und wurden deshalb ohne Teilleistungsrabatt verschickt. Der Aufdruck K4000 verrät jedoch, dass ein Konsolidierer zwischengeschaltet wurde. Konsolidierer können nachträglich eine gewisse Teilleistungsfähigkeit herstellen, indem sie Briefe nach Format und PLZ sortieren und dann bei der Post einliefern. Der Rabatt beträgt dann keine 49%, sondern deutlich weniger, u.a. weil der Konsolidierer einen Teil des Rabatts einbehält.

23 Mio. Briefwähler multipliziert mit 1,20 Euro (Schätzwert) ergeben Portokosten in Höhe von 27,6 Mio. Euro.


Eine solche fortlaufende Empfängernummer ist Pflicht zur Gewährung von Teilleistungsrabatten.


Rücksendung der Stimmzettel: 21,85 Mio. Euro

Die Deutsche Post gewährt keinen Portorabatt für Wahlbriefumschläge. Das ergibt sich aus einem Mustervertrag (PDF), den die Post veröffentlicht hat. Städte und Kommunen bezahlen das gewöhnliche Standardporto, also 80 Cent für einen Brief bis 20 Gramm oder 95 Cent für einen Brief bis 50 Gramm.


In Hamburg wiegen die Wahlbriefe mehr als 20 Gramm und kosten dementsprechend 95 Cent. Unterstellt, dass dies in ganz Deutschland so ist, ergeben sich bei 23 Mio. zurückgeschickten Stimmzetteln Portokosten in Höhe von 21,85 Mio. Euro zu Lasten der Staatskasse.

Dass Bürger Wahlbriefe nicht frankieren brauchen, steht in § 36 Abs. 4 Bundeswahlgesetz.


Gesamt: 70,55 Mio. Euro

21,1 Mio. Euro für Wahlbenachrichtigungen + 27,6 Mio. Euro für Briefwahlunterlagen + 21,85 Mio. Euro für die Stimmzettel-Rücksendung ergibt in Summe 70,55 Mio. Portoeinnahmen für die Deutsche Post.

Somit steht ein Wahlgewinner schon fest: Postchef Frank Appel, der auf der nächsten Hauptversammlung seines Unternehmens hübsche Sondereffekte aus der Bundestagswahl verkünden wird.


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