In der Südpfalz wurde im Herbst 2024 eine Betrugsserie aufgedeckt, bei der mutmaßliche Täter gezielt Rechnungsbriefe aus öffentlichen Briefkästen der Deutschen Post entwendet, manipuliert und erneut in den Versand gegeben haben. Die Masche gilt als neuartig - sowohl in ihrer Durchführung als auch in der Dreistigkeit.
Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Landau nutzten mehrere junge Männer im Sommer 2024 einen Generalschlüssel, um sich Zugriff auf gelbe Briefkästen der Deutschen Post zu verschaffen. Betroffen waren insbesondere Orte in und um Landau, Essingen, Offenbach und Hatzenbühl, berichtete der SWR.
Die Täter stahlen aus den Briefkästen gezielt Briefe, die sie als Rechnungen identifizierten. Anschließend fälschten sie die IBAN der Rechnungssteller und ersetzten sie durch Kontodaten von Komplizen. Die manipulierten Briefe wurden anschließend wieder in den Postkreislauf eingespeist und erreichten - scheinbar regulär - die eigentlichen Empfänger. Diese überwiesen ahnungslos die geforderten Beträge an die Tätergruppe.
Die Ermittler gingen von mindestens 23 Taten mit einer Gesamtschadenssumme von über 31.000?Euro aus. Gegen fünf Hauptverdächtige im Alter von 19 bis 25 Jahren wurde Anklage wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs sowie Urkundenfälschung erhoben. Vier Männer kamen im August 2024 in Untersuchungshaft. Ein weiterer Beschuldigter wird mit internationalem Haftbefehl gesucht; er soll sich ins Ausland abgesetzt haben.
Gegen mindestens drei weitere Personen wird wegen Geldwäsche ermittelt. Sie sollen ihre Bankkonten zur Verfügung gestellt haben, auf die das ergaunerte Geld überwiesen wurde.
Ein Sprecher der Deutschen Post bezeichnete die Betrugsmasche gegenüber dem SWR als bislang einmalig. Die verwendeten Briefkastenschlösser seien laut Post "komplex und sicher", eine hundertprozentige Sicherheit könne jedoch nie gewährleistet werden. Inzwischen habe man das Schlosssystem in der betroffenen Region geändert. Die gestohlenen Schlüssel seien nicht mehr einsetzbar.
Zivilrechtliche Ansprüche der Betrugsopfer gegen die Deutsche Post sieht der Konzern nicht. Zwar wurde durch die Manipulation das Briefgeheimnis verletzt, für den entstandenen finanziellen Schaden seien jedoch allein die Täter verantwortlich.