Eine Studie der belgischen Regulierungsbehörde BIPT zeigt, was sich Kunden bei der Brief- und Paketzustellung wünschen. Für die Untersuchung befragte das Marktforschungsinstitut Ipsos ca. 2.000 Privatpersonen und 1.300 Geschäftskunden. Die Ergebnisse wurden mit einer ähnlichen Untersuchung aus 2020 verglichen.
Schnelle Briefe sind keinen Aufpreis mehr wert
Bei gewöhnlichen Briefen sehen die Belgier keinen Mehrwert darin, eine Sendung schon am nächsten Werktag zu erhalten. Bemerkenswert ist, dass die Zahlungsbereitschaft für eine E+1-Zustellung sogar leicht negativ ausfällt. Kunden lehnen einen Aufpreis für schnelle Briefe also deutlich ab und bevorzugen die langsamere Standardzustellung.
Anders sieht es bei der Verlässlichkeit aus. Gegenüber der Untersuchung von 2020 sind Kunden eher bereit, für eine höhere Zustellsicherheit zu bezahlen. Gleichzeitig reagieren sie empfindlicher darauf, wenn angekündigte Laufzeiten nicht eingehalten werden.
Hauszustellung wird beinahe als "Recht" betrachtet
Überhaupt nicht kompromissbereit sind die Belgier bei der Frage, wo ihre Briefe zugestellt werden. Die Zustellung direkt an der Hausanschrift bleibt für Privatkunden die beste und bevorzugte Variante. Alternative Konzepte wie Gemeinschaftsbriefkästen oder zentrale Abholstellen stoßen auf starke Ablehnung.
In der Untersuchung wurde unter anderem ein Szenario dargestellt, bei dem nicht mehr jede einzelne Adresse angefahren wird. Stattdessen könnten zentrale gemeinsame Brief- und Paketkästen für mehrere Haushalte eingerichtet werden. Die Reaktionen darauf waren ausgesprochen negativ.
Laut Studie ist die Haustürzustellung inzwischen so stark verankert, dass sie von vielen Befragten quasi als ein "Recht" betrachtet wird. Als Argumente gegen Gemeinschaftsbriefkästen in der Ortsmitte wurden Probleme für ältere und weniger mobile Menschen genannt sowie Sorgen vor Fehlzustellungen, Diebstahl und vergessener Post. Allenfalls für besonders abgelegene Gebiete konnten sich manche Befragte solche Lösungen vorstellen.
Unternehmen wollen Pakete schnell
Privatkunden akzeptieren inzwischen Paketlaufzeiten bis E+3 und stehen auch einer Bündelung von Sendungen aus Umweltgründen offen.
Bei Unternehmen dominiert dagegen weiterhin die Geschwindigkeit: 56% der Geschäftskunden entscheiden sich für die schnellste Paketlaufzeit, selbst wenn eine langsamere und nachhaltigere Versandoption mit einem Preisnachlass verbunden wäre.
Klassische Postfilialen gewinnen gegenüber Postpoints
Beim Filialnetz von Bpost zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung. Belgische Verbraucher bevorzugen inzwischen wieder klassische Postfilialen gegenüber Postpoints im Einzelhandel.
2020 wurden beide Varianten noch ungefähr gleich bewertet. Ein wesentlicher Vorteil der klassischen Filiale ist aus Sicht der Kunden die Fachkenntnis der dortigen Mitarbeiter. Insbesondere bei komplizierteren Versandarten und für weniger routinierte Kunden spielt persönliche Beratung weiterhin eine wichtige Rolle.
Postpoints im Einzelhandel werden übrigens nicht grundsätzlich abgelehnt. Doch damit sie als vollwertiger Ersatz wahrgenommen werden, erwarten Verbraucher ein umfangreiches Angebot: 60% wollen dort Paketdienste nutzen können, 55% erwarten den Verkauf von Briefmarken. Rund ein Drittel erwartet zudem Brief- und Einschreibedienstleistungen.
Straßenbriefkästen werden immer seltener benutzt
Die Bedeutung öffentlicher Briefkästen nimmt rapide ab. Im Jahr 2020 nutzten noch 37% der belgischen Privatkunden mindestens einmal monatlich einen der roten Bpost-Briefkästen. 2025 waren es nur noch 22%.
Großes Digitalisierungspotenzial sieht die Studie beim Einschreiben. 68% der Belgier könnten sich vorstellen, ein elektronisches Einschreiben zu verwenden, sofern ausreichende Sicherheitsgarantien bestehen. Die Experten empfehlen deshalb, die Digitalisierung von Einschreiben voranzutreiben.
Porto ist für die meisten Kunden bezahlbar
Lediglich 2% der Privatkunden sagen, dass sie im vergangenen Jahr notwendige Post aus Kostengründen nicht verschickt haben. 77% der Befragten wenden weniger als 0,5 Prozent ihres monatlichen Haushaltsbudgets für Postdienstleistungen auf.
Eine Ausnahme ist allerdings Trauerpost. 40% der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen achten wegen der Portokosten darauf, wie viele Trauerkarten oder Trauerbriefe sie verschicken.
Die Studienautoren schlagen deshalb vor, einen besonderen Sozialtarif für Trauerpost zu prüfen. Dadurch könnte gezielt eine gesellschaftlich wichtige Briefart vergünstigt werden, ohne generell sämtliche Briefpreise zu subventionieren.
Werbepost ist bei Unternehmen fast verschwunden
Besonders drastisch ist der Bedeutungsverlust adressierter Werbung. Laut Untersuchung verschicken 97% der belgischen Unternehmen gar keine adressierten Werbesendungen mehr. Bei Unternehmen mit niedrigem Postaufkommen sind es sogar 99%.
Adressierte Werbepost ist damit zu einem Nischenprodukt geworden, das hauptsächlich von Großversendern genutzt wird. Immerhin 16% der Unternehmen mit hohem Postaufkommen versenden noch adressierte Werbung, 12% sogar wöchentlich. Die Studie zeigt somit, dass klassische Werbebriefe im Alltag der meisten Unternehmen kaum noch eine Rolle spielen.
Quelle: bipt.be