So vergütet Amazon Logistics die Subunternehmer

Ausschnitte aus einer Broschüre von Amazon Logistics für Subunternehmer
Auf der Internetseite logistics.amazon.de wirbt Amazon um zukünftige Subunternehmer, die Pakete für Amazon ausliefern wollen. Voraussetzung zur Unternehmensgründung sind 25.000 Euro Cash und ein paar Mitarbeiter, die als Zusteller eingesetzt werden.

Lieferwagen können über Amazon geleast werden. Laut einer Werbebroschüre (hier als PDF) bietet Amazon außerdem Vorzugkonditionen für "Versicherung, mobile Geräte und Datentarife sowie Uniformen". Tankkarten sollen auch dazugehören.


Was verdient ein Subunternehmer bei Amazon Logistics?

Amazon berechnet die Vergütung für Subunternehmer offenbar aus drei Komponenten (vgl. Seite 7 der Broschüre):

  • Es gibt eine monatliche Grundzahlung, die sich an der Anzahl der eingesetzten Lieferwagen bemisst.
  • Für jede Ausliefertour wird ein "Routentarif basierend auf der geplanten Länge der Route" gezahlt.
  • Zusätzlich erhalten Subunternehmer eine Vergütung für jedes erfolgreich zugestellte Paket.

Dass Paketdienste pro Stück vergüten, wurde in den letzten Jahren vielfach kritisiert. Das Modell von Amazon bezieht sich aber auf die Subunternehmer und nicht auf Zusteller. Zusteller müssen vom Subunternehmer so bezahlt werden, dass der gesetzliche Mindestlohn eingehalten wird.

Im Rahmen einer Beispielrechnung prognostiziert Amazon "für Geschäftsinhaber mit 20 bis 40 Kleintransportern" einen jährlichen Umsatz von 1,2 bis 2,5 Mio. Euro. Das jährliche Gewinnpotenzial liegt bei geschätzten 60.000 bis 140.000 Euro. Ohne Garantie.

Liest man die Details der Beispielrechnung auf Seite 10 der Broschüre, klärt Amazon auf, dass die Anlaufkosten von 25.000 Euro für einen Betriebsstart mit 5 Fahrzeugen kalkuliert sind. Mit 5 Fahrzeugen lässt sich aber kein Millionenumsatz erreichen, dafür werden 20 bis 40 Fahrzeuge benötigt. Dementsprechend müssen Subunternehmer ein Vielfaches mehr investieren als 25.000 Euro, um Millionenumsätze zu erreichen.


Arbeitsalltag eines Subunternehmers

Auf Seite 5 der Werbebroschüre wird "ein Tag im Leben eines Geschäftsinhabers" vorgestellt. Frühmorgens plant der Subunternehmer den Einsatz seiner Mitarbeiter und der Ausliefertouren. Ausrüstung, Geräte und Fahrzeuge müssen betriebsbereit sein.

Bevor die Zusteller ihre Touren beginnen, sollen Subunternehmer ein "tägliches Morgen-Briefing" durchführen. Wörtlich heißt es: "Motivieren und inspirieren Sie die Fahrer, versorgen Sie diese mit den neusten Informationen und sorgen dafür, dass alle pünktlich aufbrechen."

Während die Zusteller unterwegs sind, kann der Subunternehmer den Fortschritt der Auslieferungen verfolgen und sie bei Problemen unterstützen. Falls Rücksprachen mit Amazon notwendig sind, kann sich der Subunternehmer an einen Account Manager wenden oder an das "On Road Supportteam und die Mitarbeiter der Lieferstation".

Am Ende des Arbeitstages, wenn Zusteller ins Subunternehmer-Depot zurückkehren, soll es mit den Fahrern eine Nachbesprechung der Route geben "sowie eine Problemdiagnose für alle nicht zugestellten Pakete".


Wer als Subunternehmer für Amazon Logistics tätig werden möchte, bewirbt sich online und lädt die von Amazon geforderten Dokumente (z.B. Finanznachweise) hoch. Wird man als Subunternehmer ausgewählt, reist man zunächst eine Woche in ein Schulungszentrum, um theoretische Kenntnisse zu erwerben. Danach erfolgt eine mehrwöchige praktische Schulung in einem Amazon-Verteilzentrum inkl. Begleitung bei Ausliefertouren.


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