So wird nach verschwundenen und unzustellbaren Briefen und Paketen gefahndet

Nachforschung nach Briefen und PaketenZwar veröffentlicht kein Paketdienst genaue Zahlen über verloren gegangene Sendungen, doch im Verhältnis zur transportierten Gesamtmenge ist die Quote sehr gering. Nach Angaben des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, wurden im Jahr 2010 insgesamt 3.240 Sendungen als verloren angezeigt. Die Ermittler berichteten bereits damals von steigender Tendenz und einer vermutlich hohen Dunkelziffer.

Nachfolgend lesen Sie, wie Brief- und Paketdienste nach verloren gegangenen Sendungen fahnden. Und was Sie tun können, um im Ernstfall bei einer Auseinandersetzung mit dem Logistikdienstleister gewappnet zu sein. Zusätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Ratgeberartikel zum Thema Paket-Diebstahl.

Inhaltsverzeichnis

  1. Briefe (Einschreiben): Nachforschung einleiten
  2. Wie schützt sich die Post vor Diebstahl?
  3. Verschwundene und unzustellbare Pakete
  4. Videoüberwachung in Paketzentren
  5. Pakete: Nachforschung einleiten
  6. Paketversicherung häufig nutzlos

Verlorene und unzustellbare Briefe

Außer bei Einschreiben und Wertbriefen ist die Beförderung von Briefsendungen nicht nachverfolgbar. Mangels eindeutiger Codierung werden Briefe nicht elektronisch erfasst, wenn sie ein Briefzentrum durchlaufen. Deshalb gestaltet sich die Nachforschung deutlich schwieriger als z.B. bei Paketen, deren Transportweg exakt nachvollziehbar ist.

In jedem Briefzentrum sind speziell ausgebildete und ortskundige Mitarbeiter damit beschäftigt, unzustellbare Adressdaten zu klären. Einem Bericht der Abendzeitung zufolge kommen im Briefzentrum München bei 4,5 Millionen Briefen täglich ca. 3000 Sendungen in die manuelle Klärung. Grund dafür können fehlende Hausnummern sein, Zahlendreher in Postleitzahlen oder mangelhafte Adressierung wie "Zweites Haus hinter der Eiche links". In der sogenannten Servicestelle Adress-Management (SAM) werden die betroffenen Briefe mit einem Korrekturaufkleber versehen und anschließend weitertransportiert. Falls keine korrekte Empfänger-Anschrift nicht ermittelt werden konnte, gehen die Briefe an den Absender retour. Sofern kein Absender auf dem Umschlag erkennbar ist, wird der Brief an das Servicecenter Briefermittlung in Marburg geschickt. Ausschließlich die dortigen Mitarbeiter dürfen zu Nachforschungszwecken Briefsendungen öffnen und somit das Postgeheimnis verletzen, um Absender oder Empfänger einer Sendung herauszufinden. Die Briefermittlungsstelle wurde 1977 in Betrieb genommen und beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter.

Gelingt es nicht, Absender oder Empfänger zu ermitteln (Fachjargon: "unanbringliche Sendung"), gelangt der Brief zunächst 4 Monate ins Archiv. Hat sich bis Ende der Lagerfrist kein Kunde gemeldet, der die Sendung vermisst, wird sie entweder geschreddert - wie bei Briefen - oder es kommt zur Versteigerung des Inhalts. Deshalb sollten Sie bei Verlust einer Briefsendung nicht zu lange warten und rechtzeitig einen Nachforschungsauftrag stellen (möglich ab dem 8. Tag nach Einlieferung bzw. bei Waren- und Büchersendungen ab dem 11. Tag). Entsprechende Formulare finden Sie hier auf der Website der Deutschen Post:

Anhand eines Nachforschungsauftrags kann die Post Ihre Briefsendung ggf. leichter und schneller ermitteln. Es kann beispielsweise auch passieren, dass ein Umschlag in den automatischen Sortieranlagen beschädigt wurde und deshalb die Anschrift unlesbar geworden ist.

Wichtig zu wissen: Als Empfänger können Sie keinen Nachforschungsauftrag stellen. Lediglich der Absender kann dies bei der Post veranlassen.


Wie schützt sich die Post vor Diebstahl?

In einem Artikel des Tagesspiegels ist nachzulesen, dass die Post Fangbriefe verschickt, um eigene oder Mitarbeiter von Subunternehmen des Diebstahls zu überführen. Diese Fangbriefe sehen äußerlich so aus, als enthielten sie wertvolle Waren, Gutscheine oder Bargeld. Solche Dinge dürfen eigentlich nicht mit regulären Briefen (sondern nur per "Wert National") verschickt werden, viele Menschen machen es aber trotzdem.

Fangbriefe sind beispielsweise mit der Anschrift "Dem Geburtstagskind" versehen und sollen dadurch das Interesse potenzieller Diebe wecken. Wird der Fangbrief geöffnet, verströmt eine chemische Sicherheitsfarbe (z.B. 1-methylamino-anthraquinone), die sich von Kleidung und Händen tagelang nicht abwaschen lässt. Dieses Verfahren wird z.B. auch bei Banküberfällen eingesetzt, indem mit Farbe präparierte Geldbündel in den Händen der Räuber explodieren. Auf diese Weise werden in Berlin jährlich bis 10 Zusteller enttarnt und fristlos gekündigt, sagte ein Post-Sprecher gegenüber dem Tagesspiegel. Er weist gleichzeitig darauf hin, dass Briefe nicht nur von Mitarbeitern gestohlen werden sondern z.B. auch durch Briefkasten-Aufbrüche abhandenkommen oder durch Fahrzeugklau.


Verschwundene und unzustellbare Pakete

Pakete (ausgenommen Päckchen von Deutsche Post DHL) sind mit einem Identcode versehen und daher auf ihrem Transportweg nachverfolgbar. Was sich zunächst gut anhört, bedeutet leider nicht immer eine reibungslose und schnelle Beförderung.

Um die Sendungsverfolgung von Paketdiensten richtig zu interpretieren, müssen Sie wissen, dass Pakete meistens nur wenige Minuten in einem Paketzentrum bleiben. Danach werden sie auf LKW verladen und zum nächsten Paketzentrum weitertransportiert. Die Scannung von Paketen erfolgt jeweils am Eingangspunkt eines Paketzentrums. Angenommen, in der Sendungsverfolgung erscheint für das Frachtzentrum Hamburg der Status "Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet" und danach folgt keine aktuellere Meldung mehr. Dann bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die Sendung noch in Hamburg lagert. Wahrscheinlicher ist, dass das Paket auf dem Weg ins nächste Paketzentrum verloren gegangen ist oder dort nicht in der Eingangserfassung gescannt wurde.

Videoüberwachung in Paketzentren

Um die Stelle festzustellen, an der ein bestimmtes Paket das letzte Mal bearbeitet wurde, nutzen alle Paketdienste Videoüberwachungsanlagen. Damit werden die Transportbänder innerhalb der Paketzentren gefilmt, während gleichzeitig die Strichcodes der Pakete gelesen werden. Durch die Verknüpfung der Paketnummer mit Zeit und Ort der Scanstelle lässt sich im Bedarfsfall die Videoaufzeichnung eines jeden Pakets digital abrufen. Diese lückenlose Videoüberwachung gibt es allerdings i.d.R. nur in den größeren Paketzentren. In kleineren Zustellbasen oder Subunternehmer-Depots gibt es zwar auch Videokontrollen, die Kameras sind aber häufig eher allgemein auf die Sortieranlagen und Verladezonen ausgerichtet und erfassen nicht gleichzeitig die Identcodes der Pakete.


Nachforschungsauftrag für Pakete

Wenn ein Paket beim Empfänger nicht ankommt, können Sie beim Paketdienst eine Nachforschung beauftragen. Auf einem Formular beschreiben Sie das Paket, dessen Inhalt sowie Absender und Empfänger. Der Paketdienst wird dann in den betreffenden Paketzentrum prüfen lassen, ob dort unzustellbare Sendungen lagern, die auf Ihre Beschreibung zutreffen. Die Abkürzung für diesen Lagerbereich heißt AFNUS, das steht für: Annahme verweigert, Falsche Adresse, Nicht erreicht, Umsortierfehler und Schadhafte Pakete. Dort werden Pakete bis zur Klärung ihres weiteren Verbleibs gesammelt.

Falls Ihr Paket im AFNUS-Lager nicht auffindbar sein sollte, werden ggf. auch Mitarbeiter befragt. Insbesondere wenn das Paket bereits auf ein Zustellfahrzeug verladen wurde, dabei vom Fahrer gescannt wurde aber nie beim Empfänger angekommen ist, kann von einem Diebstahl ausgegangen werden. Leider wird regelmäßig versucht, aus offen stehenden Lieferfahrzeugen in Innenstädten Pakete zu klauen. Auch bei Verkehrsunfällen beschädigte oder verbrannte Pakete kommen mitunter vor.

Wenn Sie einen Nachforschungsauftrag stellen möchten, nutzen Sie bitte folgende Links auf die Website Ihres Paketdienstes:

Bitte beachten Sie, dass nur der Absender einen Nachforschungsauftrag stellen kann. Grund ist, dass Empfänger keinen Beförderungsvertrag für das Paket geschlossen haben sondern Vertragspartner des Paketdienstes nur der Absender ist.


Paketversicherung häufig nutzlos

Paketdienste werben gern mit einem versicherten Versand, so dass bei Beschädigungen oder Verlust von Paketen Schadenersatz gezahlt wird. Allerdings beklagen sich Kunden sehr häufig darüber, dass sich die Paketdienste bzw. Versicherungen zunächst gegen Zahlungen sträuben und von Kunden eindeutige Belege verlangen, die den entstandenen Schaden nachweisen. Außerdem brauchen Sie natürlich den Original-Einlieferbeleg für das Paket.

Wenn ein Paket verloren gegangen ist, müssen Sie den Wert des Inhalts beziffern können. Idealerweise mit einer Rechnung und zusätzlich einem Zeugen, der beim Verpacken und Absenden des Pakets dabei war. Bei einem beschädigten Paket ist der Schadensnachweis schwieriger, weil sich Paketdienste in der Regel auf eine unzureichende Verpackung berufen. Und wer als Absender ein mangelhaft verpacktes Paket verschickt, bekommt im Nachhinein keine Entschädigung für Transportschäden. Wenn Sie also bereits im Vorfeld wissen, dass Sie sensible Waren versenden, fotografieren Sie den Inhalt, die Innenverpackung sowie den Außenkarton. Holen Sie außerdem einen Zeugen hinzu und vergewissern Sie sich mit einem "Schütteltest", dass der Paketinhalt fest verpackt ist. Sollte das Paket beschädigt beim Empfänger ankommen, sollte er bei äußerlich erkennbaren Schäden den Zusteller sofort bitten, den Schaden zu dokumentieren.

Ist der Schaden erst nach dem Auspacken des Pakets zu erkennen, sollte der Empfänger diesen fotografieren und sowohl Ware als auch Karton gut aufbewahren. Manchmal wollen Paketdienste das Material in Augenschein nehmen, um selbst zu überprüfen, ob die Verpackung ordnungsgemäß erfolgte.

Tipp: Wenn sich ein Versicherungs- oder Nachforschungsfall über Monate hinzieht, sollten Sie zu Dokumentationszwecken einen Screenshot von der Sendungsverfolgung des Pakets machen. Denn nach einiger Zeit werden Altdaten aus der Sendungsverfolgung gelöscht und sind für Sie somit nicht mehr zugänglich.