ParcelLock: Offener Paketkasten für alle Paketdienste

Als DHL einen eigenen Paketkasten auf den Markt brachte, wurden die konkurrierenden Paketdienste auf dem falschen Fuß erwischt. Denn in den DHL-Paketkasten dürfen nur DHL-Zusteller Pakete einlegen - fremde Paketdienste haben keinen Zugang zum DHL-Kasten.

Weil Hermes, GLS, DPD und UPS ihren Kunden bislang kein eigenes Paketkasten-Konzept anbieten konnten, begann man schleunigst mit der Entwicklung eines offenen Systems. Nachdem der Name des Projekts zunächst "Unibox" hieß, wurde im September 2015 der endgültige Name ParcelLock festgelegt. Hermes, DPD und GLS gründeten das Gemeinschaftsunternehmen ParcelLock GmbH mit Sitz in Eschborn. UPS ist am Gemeinschaftsunternehmen nicht beteiligt. ParcelLock ist jedoch ein offener Paketkasten, kann also von allen Paketdiensten und Lieferanten ohne Einschränkung genutzt werden. Auch von UPS, von lokalen Supermarkt-Lieferdiensten oder sogar von DHL.

Für Kunden ist ein solch offenes System ein entscheidender Vorteil, denn mit der Installation eines DHL-Paketkastens legt man sich auf diesen speziellen Paketdienst fest und kann keine Pakete anderer Paketdienste empfangen. Bestellt man beispielsweise häufig beim Versandhändler OTTO, erhält man Pakete zwangsläufig per Hermes, die im DHL-Paketkasten nicht hinterlegt werden können.

ParcelLock PaketkastenMit dem Parcellock-Paketkasten soll diese Marktlücke geschlossen werden. Es gibt zwar bereits neutrale Paketkästen von Firmen wie Renz oder Burg-Wächter, die bereits von allen Paketdiensten beliefert werden können. Allerdings soll der neutrale Paketkasten von Hermes, DPD und GLS technisch intelligenter sein.

Laut Welt am Sonntag regelt ein IT-System den Zugang zum Paketkasten, indem es elektronische Zugangscodes an die Paketzusteller übermittelt. Diese Codes sind für jede Sendung individuell und ermöglichen das einmalige Öffnen des Kastens. Indem jedes Einlegen und Entnehmen digital protokolliert wird, kann der Parcellock-Kasten dem Paketzusteller bereits im Vorfeld mitteilen, ob der Paketkasten eines Kunden zurzeit belegt oder frei ist. Über eine solche Steuerung verfügt der DHL-Paketkasten nicht.

Auch beim Preis versucht die Konkurrenz, den Marktführer DHL zu unterbieten. Einen Verkaufspreis steht zwar noch nicht fest, laut Welt am Sonntag soll dieser aber "deutlich" unterhalb des Preises für einen DHL-Paketkasten liegen (beginnt bei 100 Euro bis hin zu 600 Euro mit Sonderausstattung).

ParcelLock ist noch nicht erhältlich

Ursprünglich sollte der ParcelLock-Paketkasten unter dem Namen Unibox bis Ende 2014 der Öffentlichkeit präsentiert werden, so Hanjo Schneider, Europa-Chef von Hermes. Dieser Termine konnte jedoch nicht eingehalten werden. Im März 2015 berichtete das Fachmagazin "KEP Nachrichten" davon, dass die gemeinsame Paketbox von Hermes, DPD und GLS im dritten Quartal 2015 erhältlich sein soll. Einen Prototyp soll es im zweiten Quartal 2015 geben, der in einem Feldversuch mit ausgewählten Kunden erprobt wird. Möglicherweise findet die Pilotphase in Hamburg statt und wird vom dort ansäsissgen Paketdienst Hermes begleitet.


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