Milliarde weniger Gewinn: Aktionäre enttäuscht von Deutscher Post

Heute Vormittag, am 8. Juni 2018, gab die Deutsche Post eine auf den ersten Blick wohlklingende Pressemitteilung heraus. Deren Titel: "Deutsche Post DHL Group reagiert auf Herausforderungen im Unternehmensbereich PeP und stellt Weichen für nachhaltiges Wachstum".

Im Detail beschloss der Konzern heute ein "Programm zur Verbesserung der Produktivität und Senkung der indirekten Kosten in der Post - eCommerce - Parcel Division". Die sogenannte PeP-Sparte umfasst das Brief- und Paketgeschäft im Postkonzern. Konzernchef Frank Appel wurde von seiner Presseabteilung mit den Worten zitiert, er sei "sehr zuversichtlich, unsere Ziele für 2020 zu erreichen".

Was die Mitteilung tatsächlich auslöste, erlebten Inhaber der Post-Aktie zwischen 11:30 und 11:50 Uhr. Anfangs notierte die Postaktie um 32,40 Euro, danach sackte sie mit Veröffentlichung der Mitteilung innerhalb weniger Minuten auf knapp 30 Euro ab. Bis Börsenschluss erholte sich der Kurs auf ungefähr minus 4 Prozent. Die Aktie Gelb war damit deutlicher Tagesverlierer aller DAX-Werte.

Postaktie am 08.06.2018

Um die Ursache des Kursrutsches zu verstehen, lässt man die Pressemitteilung der Deutschen Post am besten beiseite und schaut in die Wirtschaftsmedien. Analysen gibt es zum Beispiel beim Handelsblatt, bei boerse.ard.de oder bei de.reuters.com.

Kernproblem ist ein prognostizierter Gewinnrückgang von 4,15 Milliarden Euro auf 3,2 Milliarden Euro. Das ist zwar immer noch ein stattlicher Wert, aber dennoch 1,1 Milliarden Euro weniger als von Postchef Appel bislang in Aussicht gestellt. Laut ARD habe Appel in einer Telefonkonferenz gemutmaßt, dass sein Unternehmen "vielleicht zu schnell gewachsen" sei.

Reuters spekuliert unter Bezugnahme auf Branchenbeobachter, dass die Post unter anderem wegen eines höheren Tarifabschlusses mit der Gewerkschaft Verdi sowie erhöhter Krankenstände im letzten Winter unter unerwartet hohen Personalkosten leide. Weil der ehemalige Spartenchef Jürgen Gerdes die Kosten nicht in den Griff bekommen habe, wurde er im April 2018 mutmaßlich weggelobt (Paketda berichtete). Seitdem lenkt Oberchef Frank Appel die PeP-Sparte selber.

Das Handelsblatt hatte eigenen Angaben zufolge unmittelbar nach der Gerdes-Personalie bei Deutsche Post DHL angefragt, ob nun mit einer Gewinnwarnung zu rechnen sei. Dem Bericht zufolge reagierte der Konzern ausweichend und verweigerte einen Kommentar aufgrund einer sogenannten "Quiet Period". Angeblich durfte man damals zu Prognosen keine Stellung nehmen.

Um die Kosten zu senken, will die Post verbeamtete Mitarbeiter in den Vorruhestand schicken und die Produktivität durch Automatisierung und Digitalisierung steigern. Außerdem hofft die Post auf die Genehmigung eines höheren Briefportos ab 2019 durch die Bundesnetzagentur.

Übrigens: Die von Jürgen Gerdes verantwortete Sparte "Corporate Incubations" wird in 2018 ein voraussichtliches Negativergebnis von 70 Millionen Euro erzielen.

Nachtrag vom 10.06.2018: In einem Interview mit der Welt am Sonntag befürchtet die Chefin der Gewerkschaft DPVKOM, Christina Dahlhaus, Personalkürzungen bei der Deutschen Post DHL. In gut einem Jahr laufe der vereinbarte Kündigungsschutz aus, so dass Entlassungen möglich seien. Dahlhaus sieht auch die Gefahr, dass in Zukunft nicht bloß DHL-Paketboten bei den Delivery-Tochtergesellschaften angestellt werden sondern vielleicht auch Briefzusteller. Der Postkonzern könnte durch niedrigere Gehälter Kosten einsparen, so dass die Unternehmensgewinne höher ausfallen.

Die Bild am Sonntag (BamS) vermeldet unter Berufung auf einen "Geheimplan aus vertraulichem Papier", dass Briefzusteller beim Austeilen von Werbepost entlastet werden sollen. Angeblich soll Werbepost in Zukunft "je nach Wochentag auf nur einer Straßenseite" zugestellt werden.

Außerdem sollen Briefträger laut BamS-Bericht Hochhäuser in ihrem Lieferbezirk fotografieren (vermutlich die Briefkästen). Die Post will die Fotos intern auswerten und dazu nutzen, Briefe automatisch in die richtige Empfänger-Reihenfolge vorzusortieren. Bislang bekommen Briefträger die Sendungen nur nach Straße und Hausnummer vorsortiert. Wenn unter einer Hausnummer mehrere Leute wohnen, muss offenbar manuell sortiert werden. Dies soll in Zukunft stärker automatisiert werden.


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