Konkurrenz für trans-o-flex? GLS mischt bei Pharma mit

Am 18. Oktober 2016 gab GLS bekannt, ab sofort einen "zertifizierten, GDP-konformen Versand von Arzneimitteln" anzubieten (vgl. Pressemitteilung). Stößt GLS damit in das Marktsegment von trans-o-flex vor?

Trans-o-flex ist Deutschlands Marktführer beim Expressversand von Arzneimitteln, bei denen eine bestimmte Temperaturspanne eingehalten werden muss. Das ist wichtig, damit die Medikamente ihre Wirksamkeit behalten. Trotz Marktführerschaft soll trans-o-flex in den vergangenen Jahren "hohe Millionenverluste" geschrieben haben, berichtete apotheke-adhoc.de im März 2016.

Trans-o-flex braucht wohl keine Angst vor einem Kundenschwund zu haben, den GLS durch seine neuen Pharma-Aktivitäten auslösen könnte. Denn GLS bietet zwar genau wie trans-o-flex nach GDP (Good Distribution Pratice) zertifizierte Transporte an, aber lediglich für "passiv-temperierte Produkte". Die Spezialität von trans-o-flex sind hingegen aktiv temperierte Transporte. Der Unterschied liegt in der Art der Medikamenten-Kühlung während des Transports.

Ein passiv temperierter Transport findet in einem Thermokarton statt, der vereinfacht gesagt eine für 24 Stunden ausreichende Menge Kühlakkus enthält. GLS garantiert die Zustellung binnen dieser Zeit beim Empfänger. Der Absender bleibt für die korrekte Verpackung und ausreichende Menge Kühlmittel verantwortlich. Beim aktiv temperierten Transport, wie ihn trans-o-flex anbietet, sind die Laderäume der Fahrzeuge mit einer Kühlung ausgestattet, so dass Medikamente in Standardkartons versendet werden können. Alle 15 Minuten wird automatisch die Temperatur gemessen. Befindet sich die Messung außerhalb des erlaubten Bereichs, stoppt trans-o-flex den Transport und informiert den Absender. GLS kontrolliert die Temperatur seiner Pharmatransporte hingegen nicht.

Die neuen Angebote namens "PharmaService" und "PharmaService Plus" präsentiert GLS auf dieser Website. Eigenen Angaben zufolge gewährleistet GLS unter anderem "hohe Hygienestandards in den Betriebsräumen" sowie "regelmäßige Reinigung, Abfall-Entsorgung und Schädlingsbekämpfung".

Bei trans-o-flex gibt es ebenfalls zwei unterschiedliche Pharma-Transportarten: trans-o-flex ThermoMed ist auf Transporte zwischen 2 und 8 °C spezialisiert, und das Angebot trans-o-flex ambient auf den Bereich 15 bis 25 °C.

Fazit: Die Pharma-Angebote von GLS sind insbesondere für Versender interessant, die keine hochsensiblen Medikamente versenden. Gegenüber trans-o-flex dürfte GLS in diesem Teilsegment mit einem Preisvorteil punkten. Denn die aktiv temperierte Transportkette von trans-o-flex ist viel aufwändiger und damit teurer als das Angebot von GLS. Unklar ist, ob der Preisvorteil von GLS womöglich durch die aufwändigere Verpackung wieder aufgezehrt wird. Denn Versender, die Medikamente gekühlt versenden wollen, müssen sich auf eigene Kosten Thermoverpackungen und Kühlmittel kaufen. Hinzu kommt deren Entsorgung beim Empfänger oder die Rückführung zum Versender. Dieser Aufwand entfällt bei trans-o-flex, weil Standardkartons verwendet werden.


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