Corona belastet Postunternehmen weltweit / Deutsche Post kommt mit Krise gut zurecht

Die Corona-Pandemie führt bei einigen großen Postgesellschaften zu finanziellen Einbußen. Besonders stark sind solche Unternehmen betroffen, die ihre Gewinne hauptsächlich im Briefgeschäft erwirtschaften und mit stark steigenden Paketmengen nicht zurechtkommen

► Durch Corona ist der Briefversand stark zurückgegangen, weil Firmenkunden weniger Werbepost verschicken. Gleichzeitig ist der Paketversand durch vermehrtes Onlineshopping angestiegen. Einige Postunternehmen sind damit überfordert und verbuchen enorme Mehrkosten bei Paketen und gleichzeitig sinkende Erlöse im Briefgeschäft.

Bereits im April 2020 geriet die amerikanische Post USPS in finanzielle Schieflage (Paketda berichtete). Die britische Royal Mail ist ebenfalls betroffen. Nachdem deren Chef Rico Back gefeuert wurde, hat sein Nachfolger harte Sparmaßnahmen verordnet; 20% der Belegschaft werden in Zukunft abgebaut. Außerdem soll Royal Mail strategisch auf weniger Briefe und mehr Pakete ausgerichtet werden. Quelle: fortune.com.

Die französische Staatspost La Poste verbuchte im 1. Halbjahr 2020 zwar einen Gewinn, der entstand aber maßgeblich durch eine Fusion mit einem Versicherungskonzern. Die Versicherung trug 3,6 Milliarden Euro zum Ergebnis von La Poste bei, während La Poste im Post- und Paketgeschäft 1,2 Milliarden Euro Verlust machte. Laut la-croix.com handelt es sich um das schlechteste Ergebnis in der Firmengeschichte.

La Poste verzeichnete einen Rückgang des Briefvolumens um 26% und dadurch Umsatzverluste von knapp 1 Milliarde Euro. Das Paketgeschäft wuchs um 18%; es konnte die fehlende Milliarde aber nicht ausgleichen. Der La-Poste-Konzern will sich stärker diversifizieren, um unabhängiger vom Briefgeschäft zu werden, sagte der CEO Philippe Wahl.

Vor diesem Hintergrund sind die jüngsten Finanzzahlen zum 2. Quartal 2020 der Deutschen Post AG überraschend positiv. Finanzvorstand Melanie Kreis sagte: "Alle fünf Divisionen [des Unternehmens] waren trotz Krise profitabel, vier konnten das Ergebnis sogar gegenüber Vorjahr steigern." (Quelle)

Der Post-Konzern profitiert von einer eigenen Flugzeug-Flotte. Dadurch konnte DHL Express für seine Kunden weiterhin Pakete befördern, ohne auf fremde Passagiermaschinen angewiesen zu sein. Außerdem mussten Kunden höhere Preise bezahlen.

Das gestiegene Preisniveau bei DHL Global Forwarding & Freight (DGFF) verdeutlicht die folgende Tabelle (aus DHL-Präsentation, PDF).


Obwohl das Luftfrachtvolumen um 13,7 Prozent sank, konnte DHL den Rohgewinn (Gross Profit) bei Luftfracht um 42,4 Prozent steigern! Melanie Kreis: "Im Frachtgeschäft sind die Volumina pandemiebedingt insgesamt rückläufig. Dennoch ist es der Division gelungen, das operative Ergebnis im zweiten Quartal um über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu steigern."

Im Briefgeschäft (vor allem bei Dialogpost / Werbepost) konnte die Deutsche Post einen Mengenrückgang nicht verhindern. Die finanziellen Folgen wurden aber durchs Paketgeschäft aufgefangen. Dazu Finanzvorstand Kreis: "In Verbindung mit den eingeleiteten Kosten- und Preismaßnahmen konnte Post & Paket Deutschland im zweiten Quartal eine sehr gute Ergebnisverbesserung von fast 50 Prozent verzeichnen."

Interessant ist, dass das Paketvolumen in Deutschland um 21,4 Prozent gestiegen ist und die Erlöse sogar um 28,1%. Es hätte auch umgekehrt sein können, also mehr Pakete aber nicht ganz so viel Zugewinn. Es entstanden ja beispielsweise Kosten für Schutzausrüstung und Desinfektion. Außerdem musste DHL in kurzer Zeit viele neue Zusteller einstellen, wodurch die Personalkosten anstiegen. Dass DHL trotz allem mehr Geld verdiente, ist erstaunlich gut.


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