Diebstahl eines Pakets oder Paket leer angekommen

Der Paketda-Redaktion ist es selbst schon passiert: Ein Weihnachtspaket kam zwar pünktlich beim Empfänger an, doch es fehlte ein Teil des Inhalts (Schokolade). Ein Klebeband vom Paketzentrum wies sogar darauf hin, dass das Päckchen geöffnet und nachverpackt wurde. Man könnte meinen, die Beweislage wäre eindeutig und ein Postmitarbeiter muss die Schokolade entwendet haben. Doch in der Realität ist die Lage schwieriger. Schließlich könnte der Verpackungskarton beschädigt gewesen sein, so dass die Schokolade herausfiel. Oder die freundliche Nachbarin, die das Paket für den Empfänger annahm, gab der süßen Verführung nach.

Weil es immer wieder zu Diebstählen aus Paketen kommt bzw. dem Verlust des Inhalts, haben wir einige Tipps zusammengestellt, wie Sie dem Paket-Diebstahl vorbeugen und wie Sie ihn beweisen können.

Inhaltsverzeichnis

  1. Verschicken Sie wertvolle Dinge nicht als Päckchen sondern als Paket
  2. Verwenden Sie eine neutrale Verpackung
  3. Wiegen Sie jedes Paket vor dem Versand
  4. Fristen einhalten und Diebstahl sofort melden
  5. Vertragspartner des Paketdienstes ist der Absender
  6. Ablagevertrag kündigen bei unzuverlässigen Zustellern
  7. Einkaufsversicherung der Postbank schützt vor Paketdiebstahl
  8. Paketdienst will Schaden nicht begleichen: Was tun?
  9. Retouren-Paket nicht angekommen oder leer

Verschicken Sie wertvolle Dinge nicht als Päckchen sondern als Paket

Um im Verlustfall eine Chance auf Schadenersatz zu haben, wählen Sie am besten den Paketversand mit Versicherung. Denn DHL-Päckchen sind nicht versichert. Eine Ausnahme sind Hermes-Päckchen, die bis 50 Euro versichert sind.

Wenn ein DHL-Päckchen verloren geht oder daraus etwas geklaut wird, gibt es seitens DHL keine Haftung und keinen Schadenersatz. Als rettenden Strohhalm können Sie eine Nachforschung zum vermissten Päckchen beauftragen, aber mangels Tracking sind die Erfolgsaussichten erfahrungsgemäß gering.

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Verwenden Sie eine neutrale Verpackung

Als die Schokolade aus dem Paketda-Weihnachtspaket geklaut wurde, haben wir einen schlimmen Fehler begangen: nämlich das Paket weihnachtlich bunt verpackt. Das lockt potenzielle Diebe an, denn häufig verschicken Großeltern Naschpakete an ihre Enkel und legen vielleicht sogar einen Umschlag mit Geld ins Paket. Solche Pakete sind an handgeschriebenen Adressen zu erkennen und an Verzierungsaufklebern. Verzichten Sie auf bunte Verpackungen, wählen Sie einen neutralen Karton und drucken Sie den Paketaufkleber am PC aus.

Wenn Sie besonders trickreich vorgehen wollen, gestalten Sie einen unscheinbaren Zusatzaufkleber mit dem Vermerk: "Laufzeitprüfung. GPS-Einheit nicht öffnen." Bringen Sie den kleinen Hinweis in einer Ecke des Pakets an. So werden potenzielle Diebe möglicherweise abgeschreckt, weil sie das Paket für eine Testsendung ihres Arbeitgebers halten.

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Wiegen Sie jedes Paket vor dem Versand

Das Portal derwesten.de berichtet von dem Diebstahl eines Handys aus einem Paket. DHL weigerte sich zunächst, den Schaden zu regulieren, weil der Empfänger angeblich einen Ablagevertrag besaß. Demnach legte der Zusteller das Paket ohne Unterschrift im Garten des Empfängers ab - somit galt die Sendung als zugestellt. Der Diebstahl des Handys hätte theoretisch nach dem Ablegen des Pakets stattfinden können, und damit wäre DHL von der Haftung freigesprochen. (Vorausgesetzt, es gäbe wirklich einen Ablagevertrag, was der Empfänger gegenüber derwesten.de bestritt.)

Jedenfalls gelang es dem Absender des Pakets, anhand des Versandgewichts nachzuweisen, dass der Verpackungskarton ein Handy enthielt. Der Absender (ein gewerblicher Händler) nutzte offenbar eine professionelle Frankiermaschine, die das Gewicht jeder Sendung wiegt und abspeichert. Dadurch gelang der Nachweis, dass der Absender das Handy tatsächlich in den Karton gelegt hatte und es auf dem Transportweg verloren gegangen sein musste. Nach langem Hin und Her ersetzte DHL schließlich den Schaden.

Als Privatversender empfiehlt es sich, eine Art Protokollbuch anzulegen oder eine Excel-Tabelle mit allen Paketen, die Sie verschicken. Halten Sie darin fest: Paketnummer, Paketdienst, Empfängeranschrift, Versandgewicht, Versandgegenstand und Versanddatum. Machen Sie außerdem Beweisfotos vom Verpacken des Gegenstands (offener Karton) sowie vom verschlossenen und adressierten Karton.

Tipp: Beim Paketdienst GLS werden Pakete automatisch im ersten Paketzentrum gewogen. Wenn Sie den Paketaufkleber online mit "GLS EasyStart" gekauft haben, sehen Sie das Paketgewicht zudem in der Online-Sendungsverfolgung. Indem GLS das Versandgewicht selbst protokolliert, haben Sie zusätzliche Sicherheit und ein gutes Beweismittel, sofern es zum Diebstahl kommt. Machen Sie von der Sendungsverfolgung am besten einen Screenshot. Viele Paketdienste löschen die Daten aus der Paketverfolgung nämlich nach einigen Monaten.

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Fristen einhalten und Diebstahl sofort melden

Bei nahezu jedem Paketdienst ist in den AGB geregelt, dass Schäden bzw. Verluste innerhalb einer engen Frist beim Paketdienst gemeldet werden müssen. In der Regel beträgt diese 7 Tage ab Erhalt der Lieferung (vgl. § 438 Abs. 2 HGB). Idealerweise bemerkt der Empfänger schon vor seiner Unterschrift, dass der Versandkarton ungewöhnlich leicht ist und/oder es im Inneren scheppert.

Wenn lose Teile im Karton klappern, ist das ggf. ein Indiz dafür, dass etwas entwendet wurde und das Füllmaterial die übrigen Gegenstände deshalb nicht mehr korrekt zusammenhält. Wenn dies vor Entgegennahme des Pakets auffällt, verweigern Sie die Annahme. Sofern Sie ein offensichtlich beschädigtes ohne Vorbehalt Paket annehmen, kann es im Nachhinein Probleme mit der Schadenabwicklung geben.

Alternative: Öffnen Sie das Paket im Beisein des Zustellers. Bei einem Transportschaden lassen Sie den Schaden vom Zusteller protokollieren und sich ein Schadenformular aushändigen. Verzichten Sie keinesfalls auf das Schadenformular, weil Sie sonst keinen Nachweis haben, dass der Schaden wirklich vermerkt wurde.

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Vertragspartner des Paketdienstes ist der Absender

Üblicherweise ist es der Empfänger eines Pakets, der einen Warendiebstahl bemerkt und dadurch geschädigt wird. Allerdings hat der Empfänger kein Vertragsverhältnis mit dem Paketdienst - dieses liegt beim Absender. Deshalb verweigern Paketdienste i.d.R. die Geltendmachung von Schadenersatz durch den Empfänger.

Diese Regelung befindet sich in nahezu allen Paketdienst-AGB, aber sie widerspricht der Gesetzeslage nach Paragraf 421 Absatz 1 HGB. Demnach kann auch der Empfänger Schadenersatz fordern, sofern der Absender dies nicht tut. Mitarbeiter an den Telefonhotlines der Paketdienste kennen diese Rechtslage erfahrungsgemäß nicht. Um sich auf Paragraf 421 HGB zu berufen, schicken Sie am besten eine schriftliche Schadenanzeige an den Paketdienst.

Übrigens kann sich der Paket-Absender dem Empfänger gegenüber schadenersatzpflichtig machen, wenn er durch sein Verhalten dazu beiträgt, dass Schadenersatzansprüche gegen den Paketdienst nicht geltend gemacht werden können. Beispielsweise, indem keine Nachforschung zu einem vermissten Paket beauftragt wird oder indem eine Schadenmeldefrist verpasst wird. Näheres zu diesem Thema lesen Sie in unserem Rechtsratgeber.

Die Paketda-Redaktion empfiehlt: Nach dem Motto "Doppelt hält besser" sollten im Schadenfall sowohl Absender als auch Empfänger den Paketdienst informieren. So geht man sicher, dass die 7-tägige Meldefrist nicht versäumt wird. Schadenersatz sollte der Absender geltend machen. Wenn der Paketdienst Schadenersatz zahlt, kann der Absender das Geld anschließend an den Empfänger weiterleiten. Ausnahme: Bei Retourenpaketen, die mit einem vorgedruckten Retourenaufkleber verschickt wurden, regelt der Versandhändler die Schadenregulierung direkt mit dem Paketdienst. Der Absender hat jedoch eine Mitwirkungspflicht und muss z.B. den Einlieferungsbeleg des Pakets vorweisen können.

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Ablagevertrag kündigen bei unzuverlässigen Zustellern

Jahrelang kann das Abstellen von Paketen in der Garage problemlos verlaufen. Doch wenn der Paketzusteller wechselt oder Zustellbezirke neu aufgeteilt werden, kann das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Empfänger und Paketboten getrübt werden. Wenn bei Ihnen als Empfänger Zweifel an der Zuverlässigkeit des Zustellers aufkommen, weil sich dieser z.B. nicht an Verabredungen hält, kündigen Sie die Abstellgenehmigung (siehe Ratgeber zum Thema Garagenvertrag). Das Diebstahlrisiko eines Pakets trägt nämlich der Empfänger, sobald der Paketbote das Paket am vereinbarten Ort abgestellt hat. Ideal wäre eine Videoüberwachung am vereinbarten Paket-Ablageort, dann könnten Sie stets nachvollziehen, ob ein Paket tatsächlich abgestellt und danach gestohlen wurde.

Übrigens: Wenn ein Zusteller Pakete woanders ablegt, als in der Abstellgenehmigung vereinbart, haftet der Paketdienst für etwaigen Diebstahl. Eine Abstellgenehmigung greift nur, wenn das Paket am im Vertrag bezeichneten Ort abgestellt wird. Wobei der Ablageort im Schadenfall ohnehin schwer beweisbar ist.

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Einkaufsversicherung der Postbank schützt vor Paketdiebstahl

Die Postbank bietet ihren Kunden eine VISA-Kreditkarte mit eingebautem Diebstahlschutz für Online-Bestellungen. Wenn Sie im Versandhandel etwas kaufen, mit der Postbank-Kreditkarte bezahlen und das Paket (oder ein Teil des Inhalts) kommt abhanden, erstattet die Postbank-Versicherung den Schaden. Der Schaden muss binnen 30 Tagen ab Kaufdatum gemeldet werden. Es gilt ein Selbstbehalt von 50 Euro sowie eine Versicherungs-Höchstsumme von 1000 Euro je Gegenstand (max. 10.000 Euro Schadensumme pro Jahr). Wichtig zu wissen: Wenn Sie selbst ein Paket verschicken, greift die Postbank-Versicherung im Schadenfall nicht! Sie profitieren nur dann von einem Schutz, wenn Sie woanders ein Produkt gekauft und selbst mit der Postbank-Visakarte bezahlt haben.

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Paketdienst will Schaden nicht begleichen: Was tun?

Viele der in diesem Ratgeber genannten Empfehlungen sind vorbeugender Art. Meistens ist das Kind schon in den Brunnen gefallen: Wenn ein Paket-Diebstahl auffällt, haben die wenigsten Menschen z.B. Beweisfotos vom verpackten Paket oder das Versandgewicht parat. Sie sind dann auf die Kulanz des Paketdienstes angewiesen und müssen versuchen, den Sachverhalt so glaubhaft wie nur möglich zu schildern. Ideal sind Zeugen, die den Absender z.B. beim Verpacken des Pakets beobachtet haben bzw. das Öffnen und Auspacken durch den Empfänger bezeugen können. Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, erkundigen Sie sich dort, ob die Kosten einer Klage gegen den Paketdienst von der Versicherung übernommen werden.

Ohne Rechtsschutzversicherung einen Rechtsanwalt zu beauftragen lohnt sich nur, wenn die Beweislage eindeutig zu Ihren Gunsten ausfällt. Denn angenommen, ein Rechtsanwalt nimmt für seine Tätigkeit 150 Euro, und Sie verlieren die Klage, bleiben Sie auf diesen Kosten sitzen und bekommen den Paketschaden obendrein auch nicht ersetzt. Wenn die Beweislage zweifelhaft ist und der Paketdienst bietet Ihnen aus Kulanz z.B. 50% Schadenersatz an, sollten Sie dieses Angebot ggf. akzeptieren.

Tipp: Wenn sich der Paketdienst vollkommen stur stellt und Sie sich im Recht fühlen, wenden Sie sich mit Ihrem Fall an die örtliche Presse. Vielleicht hat man dort Interesse an einer Berichterstattung. Ein Anruf der Zeitung bei der Pressestelle des Paketdienstes kann manchmal etwas zum Positiven bewirken. Hilfreich sind auch die Beratungsstellen der Verbrauchenzentralen, die Sie in vielen deutschen Städten finden. In unserem Extra-Ratgeber finden Sie weitere Tipps zum Durchsetzen von Forderungen gegenüber Paketdiensten.

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Retouren-Paket nicht angekommen oder leer

Einige Paketda-Nutzer berichten uns von verloren gegangenen Retourenpaketen, oder dass Retouren ohne Inhalt beim Empfänger (dem Versandhaus) angekommen sind. Das Versandhaus wendet sich dann natürlich an den Kunden und will den Kaufpreis nicht gutschreiben, weil keine Ware zurückgekommen sei. In diesem Fall sind Sie als Absender in der Beweispflicht. Bewahren Sie unbedingt den Einlieferbeleg für das Retourenpaket solange auf, bis Sie die Gutschrift bzw. die Wareneingangsbestätigung vom Händler erhalten haben.

Variante A: Das Paket ist komplett verschwunden.

Wenn Sie das Paket mit einem vorgedruckten Retourenaufkleber zurückgeschickt haben (also kein Porto bezahlen mussten), dann klärt der Versandhändler die Schadenregulierung mit dem Paketdienst. Falls Sie das Paket hingegen auf eigene Kosten zurückgeschickt haben, müssen Sie sich mit dem Paketdienst selber auseinander setzen und Schadenersatz fordern. Melden Sie den Verlust beim Paketdienst bzw. beauftragen eine sogenannte Nachforschung.

Variante B: Das Paket ist angekommen, aber Inhalt fehlt.

Viele Versandhäuser lassen sich mit der Bearbeitung von Retouren lange Zeit. Manchmal fällt erst nach Wochen auf, dass ein Retourenpaket unvollständig angekommen ist. Das kann zum Problem werden, wenn der Paketdienst auf die gesetzliche Frist von 7 Tagen (nach Paketzustellung) besteht, innerhalb derer Schäden gemeldet werden müssen. Siehe Paragraf 438 HGB.

Die Paketda-Redaktion ist der Meinung, dass Ihnen als Kunde die langsame Bearbeitungszeit des Händlers nicht angelastet werden darf. Sollte es dazu kommen, lassen Sie sich von einer Verbraucherzentrale rechtlich beraten.

Bitte lesen Sie unseren Ratgeber mit Rechtsfragen zu leeren Paketen. Dort erfahren Sie Tipps zur Beweiserbringung, dass ein Paket nicht leer verschickt wurde sondern unterwegs bestohlen wurde. Besonders wichtig sind die Daten der Gewichtsmessung. Alle Paketdienste wiegen Pakete, wenn sie zum ersten Mal in einem Paketzentrum eintrffen. Die Daten der Gewichtsmessung können dabei helfen, zu beweisen, dass ein Paket nicht leer verschickt wurde. Wenn der Paketdienst die Gewichtsdaten nicht rausrücken will, ist es ggf. ratsam, gerichtlich oder via polizeilicher Anzeige an die Daten heranzukommen. Hierzu empfiehlt die Paketda-Redaktion anwaltlichen Rat.

Paketda.de wünscht Ihnen viel Erfolg beim Durchsetzen Ihrer Ansprüche!

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