Deutsche Bank schließt hunderte Filialen

  • Diese firmieren unter dem Markennamen Postbank, welche seit vielen Jahren nur noch eine Niederlassung der Deutschen Bank ist und mit der Deutschen Post schon lange nichts mehr zu tun hat.


    Warum also in diesem Forum?

    In der Fläche werden Postbankfilialen von den meisten Deutschen als "echte Postfiliale" wahrgenommen. Dass es sich lediglich um eine Bank handelt, die nebenbei eine Partnerfiliale der Deutschen Post betreibt, ist weitgehend unbekannt.

    Oft sind das auch früher wichtige Postämter gewesen und sind als solche in den Orten verwurzelt.


    Nun werden 350 Orte gefühlt ihre Post oder ihre "letzte richtige Post" verlieren:


    Kahlschlag bei Postbank
    Die Deutsche Bank schließt die Hälfte der derzeit noch 550 Postbank-Filialen. Die Privatkunden beider Marken sollen vornehmlich digital beraten werden. Das hat…
    m.faz.net


    darunter mit Sicherheit auch zentrale Standorte, in der Kleinstadt hat man diese Bank ja schon länger kaum noch gesehen.


    Die Auswirkungen sind schwer abzuschätzen. Oft sind das lokal letzten Anlaufstellen um kompetente Bedienung zu erhalten. Viele Partnerfilialen bemühen sich zwar redlich, aber die Kenntnis ist sehr heterogen, kein Wunder, früher stand eine mehrjährige Ausbildung vor der Tätigkeit in einem Postamt.

    In den Filialen der Postbank wurden teilweise auch noch Postbeamte eingesetzt. Hier geht gerade richtig was verloren.

  • Paketda

    in den News schreibt ihr, es werden 250 Filialen geschlossen.

    Postbank schließt weitere 250 von 550 Filialen
    Die Postbank schließt in rasantem Tempo weitere Filialen. Bis Mitte 2026 soll es nur noch 300 Standorte geben. 2021 waren es noch 750 Postbank-Filialen.
    www.paketda.de


    Wenn man die Meldung aus der FAZ genau liest ergibt sich eine Schließung von 350 Postfilialen, die bisher von der Postbank geführt werden.

    Von 300 verbleibenden Postbank-Filialen sollen nämlich 100 in Zukunft nur noch Bankberatung anbieten, keine Postdienstleistungen mehr. Für den Postbereich ergibt sich somit ein Wegfall von 350 Filialen, die derzeit noch in Betrieb sind. Fast 2 von 3 aktuellen Standorten mit Postleistungen entfallen damit.

  • Ein eigentlich trauriger Vorgang, zumal an dieser Art Filialen auch oft große Postfachanlagen angeschlossen waren und die Versandschlusszeiten oft relativ spät waren (bzw. noch sind).


    Es bleibt spannend, ob die Deutsche Post auf diese Schließungen reagiert. Ich könnte mir vorstellen, dass die Ein oder Andere Postfachanlage an die -bis dahin für Außenstehende meist unbekannten- Zustellstützpunkte verlagert wird und evtl. mit dem früher einmal begonnenen Konzept "Geschäftspostannahme" kombiniert wird.


    Spannend wird auch, wie es mit den ehemaligen Hauptpostämtern weiter geht, die Filialen werden heute bekanntlich von der Postbank / Deutschen Bank betrieben und sind somit ja auch potenziell von den Schließungen betroffen. Dass man solche Standorte ersatzlos streicht ist irgendwie schwer vorstellbar.

  • Die Post hat schon viel gemacht was mal unvorstellbar erschien.

    Der Weltkonzern hat kein erhebliches Interesse mehr am Deutschlandgeschäft, das Endkonzept scheint zu lauten nur noch Automaten, Apps und Zusteller als einzige Präsenz vor Ort, die tausend Aufgaben erledigen sollen, Betreuung der Automaten und Kunden.


    Wenn möglich ausgelagert an Subunternehmen oder Töchter außerhalb des Konzerntarifs, wo es der lokale Arbeitsmarkt gerade noch erlaubt.

    Alles darüber hinaus höchstens gemäß gesetzlichen Vorgaben aus dem Universaldienst, ggf. ziehen sie da ihre freiwillige Erbringung auch mal zurück und lassen sich auf Steuerzahlerkosten zwangsweise verpflichten.

    Diese Vibes bekomme ich seit Jahren vom Konzern.


    Aber alle fanden die Privatisierung damals geil, so kommt das halt dann. Der Postbote ist vom respektierten Beamten aus der Mittelschicht zum oft verächtlich behandelten Niedriglöhner geworden, die mit alten Verträgen sind quasi Einäugige im Tal der Blinden, bis sie in den kommenden Jahren auch in die Rente verschwinden. Eine ganze Branche mit hunderttausenden Arbeitnehmern ist bzgl. Arbeitsbedingungen und Einkommen, Ansehen gen prekär abgerutscht. Aber hey, der Finanzminister hat durch Aktienverkäufe einmalig Geld eingenommen und die Aktionäre haben Milliarden verdient. Das ist ja schließlich alles worum es in unserem System geht und das Publikum wird weiterhin brav in den politischen Talkshows klatschen, wenn uns die Lobbyisten erklären warum das alles so sein muss.

  • PS: sollten die Änderungen im Postgesetz wie diskutiert kommen und zugleich der Justizminister, wie geplant, durchsetzen, dass im Rechtsverkehr die Textform und ggf. die normierte elektronische Form im Regelfall die alte Schriftform ersetzt, dann wird der Briefverkehr in Deutschland ziemlich kollabieren, ähnlich wie in der Vergangenheit bereits in anderen Ländern, zB Dänemark.


    Das Interesse an einem Postfach wird überschaubar werden, wenn Briefe nicht mehr in der Regel über Nacht ankommen und ohnehin massiv durch Digitalisierung ersetzt werden.

    Postfachanlagen die jetzt verschwinden kommen meistens nie wieder.


    "Wir werden den Rechtsverkehr für die Wirtschaft sowie für Bürgerinnen und

    Bürger vereinfachen und weitmöglichst digitalisieren. Deswegen sollen zivilrecht-

    liche Schriftformerfordernisse und Unterschriftserfordernisse, die nicht durch europäische oder internationale Regelungen zwingend vorgegeben sind - soweit sachge-

    recht und angemessen - aufgehoben oder durch Textformerfordernisse ersetzt wer-

    den. Den Besonderheiten des Arbeitsrechts wird Rechnung getragen.

    • Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wollen wir Schriftformerfordernisse insbeson-

    dere im Vereins-, Schuld- und Mietrecht aufheben. Beispielsweise soll das Schriftfor-

    merfordernis für Mietverträge über Gewerberäume gestrichen werden. Auch im Wirt-

    schaftsrecht wollen wir Erleichterungen schaffen. Im GmbH-Recht soll zum Beispiel

    klargestellt werden, dass im Falle der Beschlussfassung der Gesellschafter außer-

    halb einer Versammlung eine Abgabe der Stimme in Textform genügt, wenn sämtli-

    che Gesellschafter einverstanden sind. Zudem wollen wir Schriftformerfordernisse im

    Schuldverschreibungsgesetz sowie im Depotgesetz aufheben.

    • Um den digitalen Rechtsverkehr zu fördern, soll im Allgemeinen Teil des BGB die

    elektronische Form oder – soweit geeignet – die Textform als Regelform ausge-

    staltet werden und an die Stelle der Schriftform treten. Die Schriftform soll umgekehrt

    nur noch als Ersatzform für die elektronische Form beibehalten werden. Dementspre-

    chend sollen die allgemeinen Formvorschriften in den §§ 126 ff. BGB geändert wer-

    den.

    • Soweit zivilrechtliche Schriftformerfordernisse fortgelten oder die Schriftform als Er-

    satzform gewählt wird, sollen digitale Technologien als Unterstützung und Brü-

    cken-Technologie eingesetzt werden können, soweit dies sachgerecht und ange-

    messen ist. Künftig soll es möglich sein, zum Beispiel eine schriftliche Kündigung ei-

    nes Mietverhältnisses mit einem Smartphone zu fotografieren und diese elektroni-

    sche Kopie dem Erklärungsempfänger zu übersenden. Die besondere Beweisfunk-

    tion der Schriftform soll dadurch gewahrt werden, dass dem Erklärungsempfänger

    das Recht eingeräumt wird, die Übermittlung einer Originalurkunde nachträglich zu

    verlangen. Den Besonderheiten des Arbeitsrechts wird Rechnung getragen."


    Eckpunkte der Bundesregierung für ein weiteres Bürokratieentlastungsgesetz (BEG IV)
    Unnötige Bürokratie abbauen – Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen und Verwaltung entlasten
    www.bmj.de



    Sprich, das Stück Papier wird von der Norm im Rechtsverkehr zur Rückfalloption und Archivfunktion, die kaum noch jemand nutzen wird. Insbesondere Unternehmen und Behörden werden aufgrund der hohen Portokosten nur zu begierig darauf reagieren. Was bleibt dann noch an Briefaufkommen? Aufgrund der hohen Fixkosten wird es für verbleibende Briefeschreiber immer teurer werden, der Anreiz zur Digitalisierung nimmt weiter zu, eine Todesspirale für den Brief.


    Wenn maßgeblich nur noch die Zustellung von Paketen bleibt dann wird sich auch der Haustarifvertrag nicht halten lassen, im Wettbewerb mit den ganzen Billigheimern. Dann ist die Post ganz unten angekommen. Ein Siechtum das in den 90ern begann. Ich denke Verdi sieht das ähnlich, daher die starke Reaktion auf die geplante Änderung des Postgesetzes, noch bevor überhaupt ein Entwurf öffentlich wurde. Aber am Ende wird es so kommen.

  • Der Postbote ist vom respektierten Beamten aus der Mittelschicht zum oft verächtlich behandelten Niedriglöhner geworden, die mit alten Verträgen sind quasi Einäugige im Tal der Blinden, bis sie in den kommenden Jahren auch in die Rente verschwinden. Eine ganze Branche mit hunderttausenden Arbeitnehmern ist bzgl. Arbeitsbedingungen und Einkommen, Ansehen gen prekär abgerutscht.

    Und von schönen gelben Postkutschen trällert auch schon lange kein Posthorn mehr.


    Die Zeit schreitet halt voran und niemand sieht im 21. Jahrhundert mehr eine Notwendigkeit dafür, dass für die Zustellung von Briefen und Paketen eine dreijährige Berufsausbildung und ein Beamtenstatus (keine Kommunisten als Zusteller bitte!) notwendig sei. Dafür kann der Zusteller halt jetzt nicht mehr beantworten, wie viel ein Brief im großen Umschlag nach Kosovo kostet.


    Je länger diese Zeit vorüber ist, desto verklärter erscheint mir der Blick auf die „kundenfreundlichen“ Öffnungszeiten, Mitarbeiter und Portoerhöhungen der stets defizitären Staatspost vor 30 Jahren. Und die Zeit lauer Jobs ist auch in anderen Branchen vorbei, weil die Menschen heute als Kunden und Arbeitnehmer andere Ansprüche und Alternativen haben als in den Siebzigern.


    Dafür gewährt die heutige Post zigtausend Menschen, die weder (deutsche) Bildungsabschlüsse noch große Sprachkenntnisse besitzen, die Chance, ihren Lebensunterhalt durch ihrer Hände Arbeit zu verdienen. Denn solche Jobs sind in vielen anderen Bereichen von Industrie und Handel ersatzlos entfallen.

    Und manche schaffen darüber den Weg bis nach oben - man stelle sich das mal bei BASF, Volkswagen oder der Deutschen Bank vor.

    Der neue Deutschland-Chef von DHL EXPRESS hat vor 27 Jahren als ungelernte Aushilfe angefangen.

    Post bleibt aber halt ein „people business“: Die meisten Prozessschritte brauchen echte Menschen.


    Deine Auslassungen zur Lohndrückerei sind auch nicht up-to-date. Damit ist die Geschäftsführung der Post grandios gescheitert.

    Erst einen großen Streik in 2015 durchgezogen, um dann doch die Delivery GmbHs danach wieder einzugliedern. Und dann die Qualitätsprobleme in 2022, weil man das Aushilfs-Personal nach Corona hat ziehen lassen und nicht mehr zurückholen konnte, als man es doch wieder brauchte.

    Ohne den hohen Tarifabschluss und die damit verbundene Verbesserung bei Neu- und Wiedereinstellungen würde die Post den Starkverkehr nicht schaffen.

    Bislang hält sich die DHL im Paketmarkt gegen die Konkurrenz mit Billiglöhnern (Scheinselbständigkeit/Subs) erstaunlich gut.


    Muss aber sonst sagen, dass ich Deine Bemerkungen zum Thema Filialschließung für richtig halte.


  • Die Führung hat schon unheilvolle, vage Andeutungen gemacht wegen des letzten Tarifabschlusses und kritischerer Portoerhöhungsprüfungen wieder über Fremdvergabe nachzudenken, Investitionen in Frage zu stellen, usw.

    Ging durch die Presse.

    Guter Lohn für gute Arbeit hat nichts mit Nostalgie zu tun.

    Dass 2 deutsche Milliardäre (!) mehr Vermögen besitzen als die unteren 42 Millionen Bundesbürger ist auch keine Frage von Fortschritt oder so.

    Sondern von politischen Veränderung ab den 1980ern die uns immer von schnell sprechenden Lobbyisten als zeitgemäßer, moderner oder einfach irgendwie alternativlos geframed aufgequatscht wurden.


    Klassenkampf findet immer statt, in den letzten Jahrzehnten zunehmend nur noch von oben.

    Da sich dies letztlich auf die ganze Entgeltstruktur ausgewirkt hat haben die Folgen auch sukzessive jene erreicht, die sich auf sicheren Sprossen weiter oben wähnten (funktionale Eliten des Angestelltentums), daher konnte zumindest ein Mindestlohn letztlich durchgesetzt werden und auch der demografische Wandel wird etwas helfen.


    Am Ende des Tages scheinen sich aber immer mehr Tätigkeiten einfach auf ein niedrigeres Niveau zu nivellieren, während der Reichtum ganz oben immer schneller wächst. Dann sind wir materiell doch bald wieder beim Adel und den 3 Ständen wie zur Zeit der Postkutsche.

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