Besser wissen, wann es ankommt

GLS-Chef: Eigenes Geschäft durch Amazon nicht bedroht

GLS-Chef Rico Back hat der Zeitung Die Welt ein Interview gegeben. Den von Amazon angebotenen Sofortlieferservice in Berlin schätzt er wie folgt ein: "Eine Zustellung in 90 Minuten gelingt nur über Modelle wie Crowd Logistics und mit privaten Fahrern. (...) Im Massenversand von Paketen können diese Modelle nicht angewendet werden."

Der Begriff Crowd Logistics bezeichnet den Pakettransport durch Privatpersonen oder kleine selbstständige Unternehmer. Die Transporteure suchen sich ihre Aufträge über eine App; eine Art Marktplatz für Transportfahrten. In Großbritannien gibt es dafür die Plattform Addison Lee, welche der GLS-Chef selbst schon ausprobiert hat.

Apropos Amazon: GLS liefert in Deutschland keine Amazon-Pakete aus, weil der Onlinehändler "Dienstleistungen und Preise von den Paketdiensten verlangt, zu denen wir nicht zustellen können", so Back. "Und wir lassen generell die Finger von unprofitablem Geschäft."

In Italien hat GLS hingegen eine Kooperation mit Amazon. Dort stellt GLS solche Pakete zu, die noch am gleichen Tag beim Kunden ankommen müssen. Dafür zahlt Amazon höhere Preise, mit denen GLS wirtschaftlich arbeiten kann. Rico Back sieht Amazon übrigens generell nicht als Bedrohung für GLS. Denn GLS sei sehr stark im Paketgeschäft zwischen Firmenkunden. Außerdem achte GLS darauf, von keinem Großkunden abhängig zu werden: "Kein Kunde hat bei uns mehr als zwei Prozent Anteil vom Gruppenumsatz."

Weil GLS eine Tochter der britischen Royal Mail ist, gibt Back auch Einblicke in das Paketgeschäft auf der Insel: In Großbritannien zahlen Kunden durchschnittlich ein höheres Paketporto als in Deutschland, dafür erhalten sie auch mehr Services und einen schnelleren Transport. In UK hat Amazon seinen eigenen Paketdienst bereits so stark ausgeweitet, dass der Royal Mail pro Tag ein Volumen von "Hunderttausenden Paketen" verloren gegangen sei, so die Welt.

Zum Schluss verrät der GLS-Chef noch eine gute Nachricht. Nämlich, dass der Parcellock-Paketkasten im Zeitplan liege. Eine weitere Verschiebung des für Spätsommer 2016 geplanten Verkaufsstarts gibt es wohl nicht. Momentan wird der Paketkasten in einem Pilotversuch in Hamburg getestet.


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