Besser wissen, wann es ankommt

Pakettransport vom Versender zum Empfänger

Wenn Sie etwas bei einem Onlineshop bestellt haben, interessiert es Sie natürlich, ob das Paket bereits am nächsten Tag ankommt. Dies hängt von mehreren Faktoren ab und von der Priorität, mit der Ihr Paket bearbeitet wird. Expresspakete mit fester Zustellzeit werden vorrangig und häufig separat von Standardpaketen befördert, weil die dem Kunden garantierte Zustellzeit eingehalten werden muss. Bei Standardpaketen bemühen sich die Paketdienste zwar, sie innerhalb Deutschlands binnen 24 Stunden auszuliefern - doch Laufzeiten von zwei Tagen sind ebenso üblich. Nachfolgend aufgeführte Faktoren beeinflussen die Transportzeit.

Inhaltsverzeichnis

  1. Schritt 1: Paketschein erstellen
  2. Schritt 2: Paket einliefern
  3. Schritt 3: Abfahrt vom Start-Paketzentrum
  4. Schritt 4: HUB-Durchlauf im Paket-Umschlagzentrum
  5. Schritt 5: Ankunft in der Zielregion
  6. Fazit

Schritt 1: Paketschein erstellen

Alle Paketdienste bieten inzwischen eine Möglichkeit zur Online-Erstellung von Paketscheinen. Gewerbliche Versender sind meist sogar verpflichtet, ihre Sendungsdaten elektronisch an den Paketdienst zu übermitteln. Dadurch werden Erfassungsfehler vermieden, die entstehen können, wenn von Hand geschriebene Adressen durch einen Mitarbeiter entziffert werden müssen. Der Paketdienst DHL transportiert relativ viele Privatpakete, die in Filialen eingeliefert werden. Solche Paketscheine sind handschriftlich ausgefüllt und deshalb anfällig für Fehlroutungen. Kommt es zu einer Fehlsortierung, sind damit häufig auch Transportverzögerungen von 1-3 Tagen verbunden.

Hinzu kommt, dass handschriftlich ausgefüllte Paketscheine bei der Erfassung im Paketzentrum einen händischen Arbeitsschritt erfordern. Denn es muss ein sogenanntes Routerlabel aufs Paket geklebt werden. In DHL-Frachtzentren haben die Mitarbeiter dafür nur wenige Sekunden Zeit. Gelingt es unter solch hohem Zeitdruck nicht, die Empfängeranschrift zu entziffern, wird das Paket automatisch eine Runde durchs Depot gefördert und erst nach 20 Minuten erneut dem Anschriftenerfasser zugeführt. Während diese Zeit verstreicht, verpasst das Paket möglicherweise die LKW-Abfahrt zum Zieldepot. Deshalb ist es ratsam, immer online erstellte Paketscheine zu erstellen. Dann sind die Sendungsdaten bereits im Barcode oder Matrixcode des Pakets enthalten und müssen nicht manuell abgelesen werden.

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Schritt 2: Paket einliefern

Die Schnelligkeit der Paketbeförderung wird maßgeblich vom Einlieferzeitpunkt bestimmt. Während in einem Paketdepot bzw. Frachtzentrum morgens bis Mittags alle abgehenden Sendungen für den Transport zu den Kunden bearbeitet werden, beginnt am Nachmittag die Bearbeitung der von Kunden eingelieferten Sendungen. Wenn die Zusteller von ihren Auslieferfahrten ins Depot zurückkehren, bringen sie z.B. Retouren mit oder von den Paketshops eingesammelte Pakete (dieses Einsammeln wird in der Logistik als "Vorlauf" bezeichnet). Wenn Sie z.B. in einer Postfiliale oder in einem Paketshop um 17.30 Uhr ein Paket aufgeben, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Transport zum Frachtzentrum erst am folgenden Tag passiert. Genauso können Sie das Pech haben, dass ein Paketzusteller eine Sendung zwar um 11.30 Uhr vormittags bei Ihnen abholt, aber erst um 19.30 Uhr ins Depot zurückkehrt. Das ist evtl. zu spät für die Eingangssortierung, und ihr Paket verpasst die LKW-Abfahrt für den Transport in die Zielregion.

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Schritt 3: Abfahrt vom Start-Paketzentrum

Je weiter Versender und Empfänger auseinander liegen, desto länger dauert naturgemäß der Transport. Paketdienste arbeiten mit festgelegten Fahrplänen, die den LKW-Verkehr zwischen den Paketdepots regeln. Weil eine Fahrt von Hamburg nach Berlin schneller ist als von Hamburg nach München, können Pakete mit kurzer Transportdistanz noch relativ spät eingeliefert und bearbeitet werden. So startet der LKW vom Depot Hamburg evtl. um 23 Uhr Richtung Berlin. Der LKW Richtung München muss hingegen schon um 21 Uhr in Hamburg starten, um rechtzeitig am nächsten Morgen am Zielort einzutreffen (inkl. gesetzlicher Fahrpausen). Diese Transporte von Depot zu Depot bezeichnen Logistiker als Hauptlauf. Innerhalb Deutschlands erfolgt übrigens kein Paket-Transport per Flugzeug, auch wenn dies schneller wäre als der Transport per LKW. DPD testet aber auf einigen Strecken die Schienenbeförderung. Auch die Deutsche Post setzt sog. Parcel-InterCity-Züge ein, die mit Höchstgeschwindigkeit und 99% Pünktlichkeit DHL-Frachtzentren im Nachtverkehr miteinander verbinden.

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Schritt 4: HUB-Durchlauf im Paket-Umschlagzentrum

DHL befördert alle Pakete auf direktem Weg vom Versanddepot zum Empfängerdepot. Das Transportnetz von DHL wird daher als Direktverkehrsnetz bezeichnet. Der Paketdienst GLS hingegen hat sich als sog. Hub-and-Spoke-Netzwerk organisiert, wobei ein HUB die Funktion eines Sammelzentrums erfüllt.

Der HUB von GLS befindet sich in Neuenstein, relativ zentral in der Mitte von Deutschland. Diesem HUB-Standort liefern die regionalen GLS-Depots ihre Pakete an. Dort erfolgt eine Bündelung der Pakete nach Empfängerregionen sowie der anschließende Weitertransport zum Ziel. Am Beispiel des Transports von Hamburg nach München würde GLS das Paket also zuerst von Hamburg zum HUB nach Neuenstein befördern. Im HUB wird das Paket mit Paketen aus anderen Landesteilen Deutschlands zusammengeführt, die ebenfalls Richtung München transportiert werden müssen.

Durch die Bündelung des Sendungsaufkommens an einem zentralen Ort wird ein effizienter Transport gewährleistet. Müsste ein LKW von Hamburg nach München z.B. halbleer losfahren, so kann durch die Paketbündelung im HUB eine höhere Auslastung der Ladefläche erreicht werden.

Hinweis: Das obige Beispiel ist stark vereinfacht. Neben dem zentralen HUB verfügt GLS auch über regionale HUBs, so dass nicht jedes Paket durch Neuenstein geschleust wird. Desweiteren sind auch bei GLS Transporte im Direktverkehr möglich, so dass gar kein HUB-Durchlauf erfolgt.

Beim Paketdienst DPD erscheint in der Sendungsverfolgung manchmal der Hinweis "Konsolidierung". Dies ist ebenfalls ein Indiz für die Bündelung von Paketaufkommen, allerdings nicht in einem HUB sondern in einem regionalen Paketdepot.

Hermes verfügt über ein Netzwerk mit fünf HUBs, und zwar in den Regionen Nord, Süd, West, Ost sowie einem Zentral-HUB in der Mitte Deutschlands (Friedewald bei Bad Hersfeld).

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Schritt 5: Ankunft in der Zielregion

Zwischen 4 und 5 Uhr morgens treffen in den Paketdepots bzw. Frachtzentren die LKW mit neuen Paketen ein, die tagsüber ausgeliefert werden sollen. Zuvor ist aber eine Eingangssortierung notwendig, um die Pakete auf die entsprechenden Zustellrouten aufzuteilen. Denn jedem Paketdepot sind große PLZ-Gebiete zugeordnet, die meist von hunderten Paketzustellern beliefert werden. Einige Paketdienste beschäftigen hierfür auch Subunternehmer.

Die Paketzusteller beladen ihre Fahrzeuge, indem sie die für ihren Zustellbezirk passenden Pakete von einem Förderband nehmen und mit einem Handscanner erfassen. In der Sendungsverfolgung müssen Sie auf den Status "In Zustellung", "Sendung ist auf Tour gegangen" oder "Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen" achten. Nun können Sie sicher sein, das Paket zwischen 8 und 18 Uhr zu erhalten (Abweichungen +/- 1 Stunde möglich). DHL, DPD und Hermes liefern von Montag bis Samstag aus. GLS und UPS liefern nur von Montag bis Freitag (bzw. samstags gegen Aufpreis).

In ländlichen Gebieten mit kombinierter Brief- und Paketzustellung werden von DHL Deutsche Post montags manchmal keine Pakete zugestellt. In der Logistik wird die Auslieferung von Paketen an die Empfänger als Nachlauf bezeichnet.

Sie haben nun die Grundlagen der Kurier-, Express- und Paketdienste (kurz KEP) in Deutschland kennen gelernt. Die Beförderung von Paketen erfolgt in einem dreistufigen System aus Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf. Die einzelnen Läufe sind durch Fahrpläne miteinander verbunden, von denen möglichst nicht abgewichen werden darf. Es verhält sich analog zum Bahnverkehr: Züge können zwar auf verspätete Anschlussreisende warten, allerdings nur im begrenzten Zeitrahmen, um sich nicht selbst eine Verspätung einzuhandeln.

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Fazit

Wenn Sie einen schnellen Pakettransport wünschen, achten Sie auf elektronisch erstellte Paketscheine und eine rechtzeitige Einlieferung (möglichst bis 15 Uhr) des Pakets. Eine stabile, automatisch förderfähige Verpackung versteht sich von selbst.

Als Versender oder Empfänger sollten Sie zudem die Sendungsverfolgung im Auge behalten, um auf Transporthindernisse reagieren zu können. Wird z.B. ein Adressfehler signalisiert, können Sie sich an das jeweilige Depot oder die zentrale Kundenhotline des Paketdienstes wenden und eine Adresskorrektur durchgeben. Auch nachträgliche Umleitungen von Paketen an andere Lieferanschriften (im gleichen PLZ-Gebiet) sind inzwischen bei vielen Paketdiensten möglich.

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